Historie des Potsdamer Platzes: 1907

Historie des Potsdamer Platzes: 1907

Potsdamer Platz um 19071907 wird am Potsdamer Platz mit dem Bau des Hotels Esplanade begonnen. Zu dem Luxushotel im Stil der „Belle Epoque“ gehören mehrere Prunksäle, darunter der Kaisersaal, in dessen Pracht aus Kronleuchtern, Paneelen aus Zedernholz, Spiegeln und Stuck Kaiser Wilhelm II. feudale Herrenabende für seine Generäle ausrichten läßt.

Auch in den „Goldenen Zwanzigern“ bleibt das Haus ein Ort mondäner Eleganz, wo Billy Wilder, der spätere Hollywoood-Regisseur, als Eintänzer arbeitet und Greta Garbo zu den Gästen zählt. Ebenfalls 1907 entsteht die U-Bahnstation „Potsdamer Platz“ der U-Bahnlinie 2.

Am Kurfürstendamm in Charlottenburg öffnet das „Kaufhaus des Westens“ („KaDeWe“) als das größte Warenhaus Deutschlands erstmals seine Pforten.

Der Potsdamer Platz um 1907: Die „Hottentottenwahl“

Die Wahl wurde als Hottentottenwahl bezeichnet, weil ihre Ursache und der Wahlkampf durch den Hererokrieg (vor allem aber durch den Namakrieg) im Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika bestimmt waren. Durch den anhaltenden und mit hohen Kosten verbundenen Kolonialkrieg kam es in Deutschland zu einer politischen Krise, nachdem die deutsche Regierung am 2. August 1906 im Reichstag einen Nachtragshaushalt in Höhe von 29 Millionen Mark für den Krieg in Deutsch-Südwestafrika beantragt hatte. Vor allem die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) weigerte sich angesichts rücksichtsloser Kriegsführung mit zahlreichen Opfern unter den geschätzten 20.000 Nama (der Ausdruck „Hottentotten“ wird heute als abwertend gesehen), weiteren Geldern zuzustimmen. Zunächst hatte die Reichsleitung versucht, den Konflikt durch ein gewisses Entgegenkommen beizulegen.

Vor allem der Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger verschärfte durch aggressive Rhetorik im Parlament die Situation. Dies führte dazu, dass auch die Zentrumsfraktion teilweise gegen ihren Willen den Nachtragshaushalt ablehnte. Dagegen traten Konservative und Nationalliberale vehement für die Weiterführung des Kolonialkrieges ein. Die Abstimmung am 13. Dezember ergab eine knappe Mehrheit von 177 zu 168 gegen den Nachtragshaushalt.