Moka Efti – ehemals Café Schottenhaml

Moka Efti des Herren Giovanni Eftimiades

Im hinteren Bereich des Potsdamer Platzes, direkt am Kemperplatz, lag das Café Schottenhaml, an der Bellevuestraße 11 Ecke Viktoriastraße 37. Das Gebäude wurde 1926 vom Architekten Oskar Kaufmann gebaut. Im Januar 1927 zog das Café Schottenhaml ein. Das Café blieb dort bis Anfang 1933. Am 12. Februar 1933 eröffnete hier das “Moka Efti” und wurde eines der größten Kaffeehäuser Berlins. Das Café Schottenhaml zog um ins Europahaus.

Moka Efti am Tiergarten

Heute befindet sich das Café immer noch im Europahaus, hat allerdings den Namen gewechselt und heißt jetzt Café Stresemann, benannt nach Gustav Stresemann.

Giovanni Eftimiades, der Mann mit dem italienischen Vor- und dem griechischem Nachnamen, war ein Kaufmann in Berlin. Angekommen war er in den 1920er-Jahren aus Konstantinopel. Für die Berliner war der Name nicht leicht auszusprechen, sodass sich der gewitzte Geschäftsmann fortan „Efti“ nannte. Herr Efti begann einen Handel mit Kaffeebohnen, was ihm dann in Erweiterung den Namen „Moka Efti“ brachte. Anfang 1929 bot sich ihm die Gelegenheit an der Ecke Friedrichstrasse / Leipzigerstrasse in Berlin ein Kaffeehaus (Café Zielka) zu übernehmen. Ein Londoner Finanzier gab ihm das benötigte Geld und das „Moka Efti“ war geboren.

Moka Efti in der Leipzigerstrasse Ecke Friedrichstrasse

Das Moka Efti in der Leipzigerstrasse Ecke Friedrichstrasse mit Blick in die Friedrichstrasse

Ab sofort wurde das Etablissement „Moka Efti“ genannt, eine Marke war geboren und die Besucher alle begeistert. Vom Eingang der Friedrichstrasse kam man in die Konditorei, die in weißem Marmor gehalten war und direkt angeschlossen eine Café bar. Überall Maurische Bögen und Wandgemälde mit orientalischen Abbildungen. Wollte man von dem Ägyptischen Salon zur Kaffeebar wandelte man durch einen Gang der wie ein Schlafwagen gestaltet war.

Das Kaffeehaus florierte und es wurden täglich mehr als 25.000 Tassen Kaffee verkauft. Zurückzuführen war der ständige Strom an Menschen auch auf die erste Rolltreppe in Berlin mit der man in die Beletage zum 1. Stock fahren konnte. Eine Attraktion für Berliner und Besucher, denn viele kamen um Rolltreppe zu fahren nach, einen Kaffee zu trinken und anschließend erneut Rolltreppe zu fahren, nach unten. Siegfried Kracauer lästerte:

„Eine Rolltreppe, zu deren Funktionen es vermutlich gehört, den leichten Aufstieg in die höheren Schichten zu versinnbildlichen, befördert immer neue Scharen unmittelbar nach dem Orient, den Säulen und Haremsgitter markieren.„

Moka-Efti Rolltreppe

Moka-Efti Rolltreppe

Auch gab es einen 2. Stock, dort befanden sich die Billardräume. Aber der pfiffige Geschäftsmann Eftimiades hatte noch eine weitere Idee. Auf dieser Etage wurde noch ein Frisiersalon und ein Schreibzimmer als Korrespondenzraum eingerichtet. Die Berliner Wochenzeitung Berliner Herold schrieb:

„Die vielen Stadtvertreter und Kaufleute der City sind erlöst, eine Tasse Mokka mit Musik beim Rasieren – das ist endlich mal was Neues. Zeitersparnis, Bequemlichkeit (auch am Sonntag?). Es ist eine Lust, wie der neue Mitinhaber Peter Stüber mit Herrn Efti den Wünschen des Publikums entgegen kommt!„

Die Weltwirtschaftskrise brachte auch das Berliner Kaffeehaus ins Wanken. Die Londoner Geldgeber suchten das Weite und zurück blieb der Besitzer mit seinen Schulden. Sogar eine Gläubigerversammlung wurde einberufen, obwohl täglich enorme Umsätze erzielt wurden. Einige Jahre später wurde das Moka Efti (Leipzigerstrasse Ecke Friedrichstrasse) von der „Reform Kaffeehaus Gesellschaft“ übernommen und in eine Tanzlokal gewandelt.

In dieser Zeit übernahm Herr Efti das „Café Schottenhaml“ am Potsdamer Platz. Er nannte es „Moka Efti Tiergarten“, und es wurde eines der bekanntesten Tanzpaläste der damaligen Zeit. Auf 1.550 Quadratmetern wurde getanzt und Ragtime, Tango, Swing und Charleston gehört. Die Einrichtung bestand aus viel Metall, es gab Wasserfälle und echte exotische Vögel.

Cafe Schottenhaml

Café Schottenhaml mit Rolandbrunnen am Kemperplatz (Aufnahme nach 1927)

Nach dem 2. Weltkrieg lag alles in Schutt und Asche, beide Etablissements waren nur noch Trümmer. Die Russen hatten alles platt gemacht. Herr Eftimiades zog nach Frankfurt/Main, versuchte sich als Verleger und starb dort völlig verarmt.

In der Fernsehserie Babylon Berlin stellt der Zuschauerraum des Kinos Delphi in Berlin-Weißensee den Innenraum des Moka Efti dar. Seine gläserne Fassade baute Uli Hanisch im Studio Babelsberg in der Kulissenlandschaft Neue Berliner Straße.

Moka Efti in der City

Die richtige postalische Anschrift war: Moka Efti in der City, Berlin W.8, Friedrichstrasse 59-60, Ecke Leipziger Straße 28

Tanzpavillon im Moka Efti City – Leipzigerstrasse Ecke Friedrichstrasse

Tanzpavillon im Moka Efti City – Leipzigerstrasse Ecke Friedrichstrasse

Moka Efti am Tiergarten

Die richtige postalische Anschrift war: Moka Efti am Tiergarten, Berlin W.9, Bellevuestraße 11

Konzertsaal im Paterre des Moka-Efti in Berlin-Tiergarten, Nähe Potsdamer Platz

Konzertsaal im Paterre des Moka-Efti in Berlin-Tiergarten, Nähe Potsdamer Platz

Babylon Berlin der Film und wie es wirklich war

Sex, Meeresfrüchte und 25.000 Kaffee pro Tag: der wilde Superclub der 20er Jahre, der Babylon Berlin inspirierte

Es war der Club, in dem die Weimarer Dekadenz explodierte, ein hektischer Hotspot, in dem Berliner unter maurischen Bögen und Orient-Express-Dekor getrunken und getanzt wurden. Moki Efti wurde in Deutschlands teuerster TV-Serie aller Zeiten wiederbelebt.

Die Diskothek im Herzen von Babylon Berlin, das TV-Drama aus der Zeit der Weimarer Republik, das 2017 bei Sky UK uraufgeführt wurde, kann sich mit dem Kit Kat Klub, in dem Liza Minnelli einmal ihre Melone im Cabaret gespannt hat, einige Features teilen. Das hektische Treiben der verschwitzten Gliedmaßen auf seiner Tanzfläche könnte sich jedoch auch in einem der modernen Tempeltempel Berlins von Techno befinden.

In einer außergewöhnlichen, 11-minütigen Song-and-Dance-Sequenz in der zweiten Episode der Show führt eine aschgrauen Russin eine Marlene-Dietrich-meets-Kraftwerk-Routine vor, die von halbnackten Tänzern in Bananenröcken flankiert wird, während eine ekstatische Menge ruckelt synchron zu den stechenden Jazz-Rhythmen: eine Generation, die sich am Rand des Abgrunds bewegt.

Deutschlands teuerste TV-Serie, die jemals produziert wurde und die Produktionskosten von 40 Millionen Euro hoch war, stand unter hohem Leistungsdruck. Aber in Moka Efti – dem Nachtclub-Meeresfrüchte-Restaurant-Restaurant, in dem die Handlungsstränge der Show zusammenfließen – hat der gigantische Ehrgeiz der Produktion einen entsprechend maximalistischen Rahmen gefunden. Man könnte davon ausgehen, dass die Produzenten den Ort erfinden mussten, damit ihre Show funktioniert – wenn es nicht wirklich existiert hätte.

Das ursprüngliche Moka Efti war ein Café in der Leipziger Straße im Zentrum von Berlin, benannt nach seinem griechisch-italienischen Besitzer, dem Kaffeeröster Giovanni Eftimiades. Mit Hilfe einer Gruppe von Londoner Investoren konnte Efti im April 1929 an der Ecke Friedrichstraße ein viel größeres zweistöckiges Palais kaufen – im selben Jahr, wo Babylon Berlin die Tanzhalle eingerichtet hat.

Das Dekor im ursprünglichen Veranstaltungsort war jedoch noch wilder, als es die Vorstellungskraft der Fernsehproduzenten zuließ. Eine Rolltreppe brachte die Besucher von der Straße in den ersten Stock – eine technische Erfindung, die so neu und voller sozialer Mobilität war, dass viele Berliner Moka Efti nur für die Fahrt besuchten.

In der TV-Serie hat Berlins Superclub Wände und geometrische Lichttürme entfernt. „Wenn es schwer zu sagen ist, welche Elemente modern und welche Vintage sind, dann, weil die Modernität, die wir kennen, in den 1920er Jahren erfunden wurde“, sagt der Produktionsdesigner Uli Hanisch, der sein eigenes Moka Efti in einem ehemaligen Stummfilmkino im Berliner Bezirk Weißensee kreierte und baute eine neue Fassade für den Veranstaltungsort in den Babelsberger Studios außerhalb der Stadt.

Es gab Friseure, einen ägyptischen Salon, eine Konditorei aus weißem Marmor und einen Raum voller Schreibkräfte, die auf Diktat warteten

Der ursprüngliche Moka Efti war eine flauschigere, zurückblickendere Angelegenheit. Sie konnten maurische Bögen, Panoramabilder und einen „ägyptischen Salon“ bestaunen, wo die Besitzer behaupteten, an einem guten Tag mehr als 25.000 Tassen Kaffee verkauft zu haben.

Es gab eine Billardhalle, einen Friseurladen und einen Korrespondenzraum, in dem sich Schreibkräfte aufnahmen, die Diktat aufnehmen wollten. Eine weiße Marmor-Konditorei, die über einen Korridor mit einer Bar verbunden war, der wie ein Schlafzug im Orient Express aussehen sollte: „Sie sitzen nicht nur hier, Sie reisen“, schrieb der Sozialkommentator Siegfried Kracauer.

Neben dem Haus Vaterland Lustschloss am Potsdamer Platz, wo Modellzüge und Miniaturflugzeuge auf Schnüren zwischen den Kaffeetrinkern zappelten, war Moka Efti eines der prominentesten Themenhotels, das exotische Unterhaltung und die dringend benötigten Möglichkeiten bot, die Erinnerungen an die Gäste zu vertreiben erster Weltkrieg. Bis 1930 waren in der deutschen Hauptstadt 899 Spielstätten mit Tanzlizenz registriert, die meisten davon in den Bezirken Mitte und West-Charlottenburg.

Anders als in der Serie gab es im Keller von Moka Efti kein Bordell, aber die Verbindung ist kaum weit hergeholt: Bereits 1905 schrieb der Journalist Hans Ostwald: „Die meisten Tanzhallen sind nichts als Märkte für Prostitution“. In seinem Roman Fabian von 1931 beschreibt Erich Kästner einen Nachtclub, in dem „Straßenmädchen“, ähnlich wie Charlotte Ritter von Babylon Berlin, an der Tür durchgewunken wurden und einen freien Schuss erhielten, wenn sie „bunte Badebekleidung, aufgerollte Halbstrümpfe und Schuhe mit hohen Absätzen trugen ”. Einige Vereine stellten auch Männer ein, um weibliche Vergnügungssuchende zufrieden zu stellen: Der österreichisch-amerikanische Regisseur Billy Wilder arbeitete 1926 zwei Monate lang als „Taxi-Tänzer“ in einem Berliner Hotel.

Der ursprüngliche Moka Efti war relativ kurzlebig: Der Börsencrash von 1929 brachte die in London ansässigen Geldgeber mit sich. Entsprechend den heutigen nationalen Vorurteilen gab es in Berliner Zeitungen Gerüchte über zwei griechische Investoren, die mit den Ersparnissen abgenutzt waren. 1933 verkaufte Eftimiades das Gelände und kaufte einen neuen, noch großartigeren Veranstaltungsort im Westen, den er Moka Efti am Tiergarten nannte.

Im Februar 1934 veranstaltete Moka Efti eine Veranstaltung zum Gedenken an den ersten Jahrestag der Machtergreifung der Nazis

Die reale Geschichte der Superclubs hinter der Serie erinnert auch daran, dass das Bild der „Goldenen Zwanziger“ von Berlin immer mindestens so viel Mythos wie die Realität war. Zum einen gab es bereits in den Tagen des letzten Kaisers Tanzlokale: In den Jahren 1910/14 war die Stadt von „Tangofieber“ geprägt. „Der kulturelle Aufschwung der 1920er Jahre kam nicht aus der Luft“, sagt der Lokalhistoriker Michael Bienert. „Es war einfach nicht Teil der offiziellen Kultur der Stadt bis nach dem ersten Weltkrieg.“

Ein Grund, warum wir alle immer noch über die Dekadenz der Berliner Weimarer Jahre Bescheid wissen, ist die Tatsache, dass die Untergrundkultur für einen kurzen Zeitraum von 15 Jahren in das offizielle Image der Stadt einbezogen wurde. Im Jahr 1931 vermarkteten Führer wie Curt Moreck’s Guide durch Depraved Berlin den sündigen Ruf der Hauptstadt.

Eine noch unpassendere Wahrheit ist, dass die Berliner die Nacht weiter tanzten, als sich die politische Stimmung verdunkelte und jüdische Musiker anfingen, ihre Instrumente zu packen. Die Berliner Unterhaltungsindustrie setzte sich zeitweise sogar für die nationalistische Sache ein: Am 4. Februar 1934 veranstaltete Moka Efti eine Propaganda, um an den ersten Jahrestag der Machtergreifung der NSDAP zu erinnern. Nach einem Abendessen mit Selleriecremesuppe, Schweinebraten und Birnenkompott gab es „drei Siegs heils für Deutschlands Führer und Retter“.

Am Ende waren es jedoch die Nazis, die das Ende der Tanzsaalkultur auslösten, der Babylon Berlin Tribut zollt. Das öffentliche Tanzen sah sich nach Kriegsbeginn Einschränkungen ausgesetzt und wurde 1942 endgültig verboten. Bald danach wurden beide Moka Eftis durch Bomben zerstört.

Quelle: https://www.theguardian.com/world/2017/nov/24/babylon-berlin-real-1920s-superclub-behind-weimar-era-thriller. Autor: Philip Oltermann

Comments are closed.